Märchen

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MÄRCHEN SIND DIE MUTTERMILCH DER SEELE
( H.W. Starnberg )


märchen
Fotos aus Ingrids Welt

DAS MÄRCHEN UND DIE WAHRHEIT

DIE WAHRHEIT GING DURCH DIE STRASSEN, GANZ NACKT, WIE AM TAG IHRER GEBURT. KEIN MENSCH WOLLTE SIE IN SEIN HAUS EINLASSEN. JEDER, DER SIE TRAF, FLÜCHTETE VOR IHR. EINES TAGES GING DIE WAHRHEIT WIEDER IN GEDANKEN VERSUNKEN DURCH DIE STRASSEN.

SIE WAR SEHR BETRÜBT UND VERBITTERT. DA BEGEGNETE SIE DEM MÄRCHEN. DAS MÄRCHEN WAR GESCHMÜCKT MIT HERRLICHEN, PRÄCHTIGEN UND VIELFARBIGEN KLEIDERN, DIE JEDES AUGE UND JEDES HERZ ENTZÜCKTEN.

DA FRAGTE DAS MÄRCHEN DIE WAHRHEIT:" SAGE MIR, GEEHRTE FREUNDIN, WARUM BIST DU SO BEDRÜCKT UND DREHST DICH AUF DEN STRASSEN SO BETRÜBT HERUM?"

DA ANTWORTETE IHM DIE WAHRHEIT:" ES GEHT MIR SEHR SCHLECHT, ICH BIN ALT UND BETAGT, UND KEIN MENSCH WILL MICH KENNEN."

HIERAUF ERWIDERTE IHR DAS MÄRCHEN:" NICHT, WEIL DU ALT BIST, LIEBEN DICH DIE MENSCHEN NICHT: AUCH ICH BIN SEHR ALT, UND JE ÄLTER ICH WERDE, DESTO MEHR LIEBEN MICH DIE MENSCHEN. SIEHE, ICH WILL DIR EIN GEHEIMNIS ENTHÜLLEN: SIE LIEBEN ES, DASS JEDER GESCHMÜCKT IST UND SICH EIN WENIG VERKLEIDET. ICH WERDE DIR SOLCHE KLEIDER BORGEN, MIT DENEN ICH ANGEZOGEN BIN, UND DU WIRST SEHEN, DASS DIE LEUTE AUCH DICH LIEBEN WERDEN."

DIE WAHRHEIT BEFOLGTE DIESEN RAT UND SCHMÜCKTE SICH MIT DEN KLEIDERN DES MÄRCHENS. SEIT DAMALS GEHEN WAHRHEIT UND MÄRCHEN ZUSAMMEN, UND BEIDE SIND BEI DEN MENSCHEN BELIEBT.

Jüdisches Märchen
(zit. aus Märchen wirken Wunder, Christina M.Rupp, Pattloch Verlag, Seite 9)

In meiner Tätigkeit als Rainbows - Gruppenleiterin (Kinder, welche von Trennung, Scheidung oder Tod einer nahen Bezugsperson betroffen sind), als Betreuerin in einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche und als Seminarleiterin zum Thema Trauer, halfen und helfen mir die Märchen, in schwierigen Situationen und Krisen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Märchen geben Sicherheit und sie wurden vor allem von den Kindern der Wohngruppen immer wieder eingefordert. Selbst unruhigen, aggressiven Kindern, welche oft von der Welt der Erwachsenen zutiefst in ihrer Seele verletzt wurden, helfen Märchen ruhiger zu schlafen und einen langsamen Beziehungsaufbau zuzulassen. Doch Märchen - Zaubermärchen waren ursprünglich gar nicht für Kinderohren konzipiert. Es sind Erzählungen, oft mit uralten Motiven - welche direkt zu unserer Seele sprechen. Geschichtliche, kulturelle und soziale Überlagerungen, Patriarchale Strukturen, Säuberungsaktionen der moralpredigenden Weltverbesserer usw. haben Inhalte und Motive überlagert, dennoch wurde nicht alles zerstört. Märchen lassen sich wie Landkarten lesen, die den Weg zu verschütteten Inhalten weisen. So wird das zu Tage gebracht, was unter zahlreichen Schichten überlagert wurde.

DAS MÄRCHEN, EIN KUNSTWERK:

Nach C.G. Jung werden Archetypen (Urbilder der Seele) im Märchen symbolisiert. Nach S. Freud sind Märchen Kollektive Träume der Menschheit. Symbole in den Märchen enthalten verborgene, innere Aussagen, welche verschlüsselt sind.

Das Prinzip inneres Geschehen in äußeren Bildern darzustellen, durchzieht die gesamte Märchenwelt. (vgl. Dornröschens zweites Erwachen, Tamas Kurthy, Hoffmann und Campe Verlag, Seite 77)

Das eigentliche Märchen, welches die oben genannten Eigenschaften aufweist, ist das Volksmärchen - das Zaubermärchens erfüllt diese Kriterien zu 100%. Diese Märchen stammen aus der mündlichen Überlieferung, welche Sammler von unbekannten Erzählern übernommen haben. Die Volksmärchen haben ihren Grundstein etwa 2000 Jahre vor Christus gelegt (es gibt schriftliche Aufzeichnungen darüber). Diese "Urmärchen" sind den heutigen Volksmärchen sehr ähnlich. Doch eigentlich verliert sich das Alter der Zaubermärchen im Dunkeln der Zeit.

Die Fragen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist der Sinn des Lebens? Was passiert, wenn wir sterben? diese Fragen sind bis heute die Gleichen geblieben.

Die Menschen haben sich jedoch sicher schon vor langer, langer Zeit diese Fragen gestellt, lange vor 2000 Jahre v. Christus - nur gibt es darüber keine schriftlichen Aufzeichnungen (vgl. Praxisbuch Märchen, Linde Koch, Gütersloher Verlag Seite 22). Neandertaler bestatteten ihre Toten bereits mit Grabbeigaben. Das lässt den Schluss zu, dass die Vorstellung über ein Leben nach dem Tode, ein nachdenken und erzählen darüber stattgefunden hat.

Märchen und Mythen

NachTamas Kurthy, gehen Märchen und das magische Denken zurück bis in die Prähistorie. Märchen und Mythen stellt Kurthy auf eine Ebene, denn beide entstammen dem Bedürfnis des Menschen, seine Existenz, der Natur und dem Tode Sinn zu geben. Die Entstehung der Welt, der Menschheit und des eigenen Volkes kann durch Mythen oder Märchen gleichermaßen vermittelt werden. Laut Kurthy sind sie sich in der Symbolsprache ähnlich, wenn nicht gar gleich.(vgl. Dornröschens zweites Erwachen, Tamas Kurthy, Hoffmann und Campe Verlag, Seite 27). Es gibt jedoch eine zahlreiche Anzahl an Theorien zur Thematik Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Märchen und Mythen

Überlieferung

Märchen wurden vorerst mündlich, in Erzählgemeinschaften überliefert. Diese Erzählgemeinschaften ließen auch wieder neue Märchen entstehen. Märchen entstanden im Wechselspiel zwischen Hörer und Erzähler, aus der Phantasie eines einzelnen, aus der phantasievoll weiterentwickelten Wiedergabe, von Träumen und konkreten Ereignissen. vgl. Dornröschens zweites Erwachen, Tamas Kurthy, Hoffmann und Campe Verlag, Seite 28)

Daraus ergibt sich die Frage - Sind Märchen noch ZEITGEMÄSS? Die Antwort lautet ja, denn es werden die Urbilder der Seele angesprochen und diese haben sich nicht verändert.

Kunstmärchen sind individuelle Erfindungen, eines bestimmten, namentlich bekannten Autors ( zb.: Andersen, Hauff, Tegetthof, usw.) Sie sind wie schon erwähnt, von den Volks - und Zaubermärchen zu unterscheiden. Auch die Gattungen der Schwank, Novellen und Legendenmärchen weisen nicht die hohe Qualität der Zaubermärchen auf. Max Lüthi bezeichnet das Zaubermärchen als das EIGENTLICHE Märchen, welches das Unbewusste des Menschen in seinen Symbolen anspricht.

Nur die Zaubermärchen mit ihren Suchwanderungen der HeldInnen in magischen Bereichen, mit ihren Reisen in JENSEITIGE Welten, werden auch nach Tamas Kurthy dem hohen Anspruch der Vermittlung von " Seelenbildern" gerecht.

Die BILDER in den Mythen , Volksmärchen und vor allem in den Zaubermärchen sind der SCHLÜSSEL ZUR SEELE. (vgl. Dornröschens zweites Erwachen, Tamas Kurthy, Hoffmann und Campe Verlag, Seite 42, 44)

Das Volks und Zaubermärchen weist noch folgende Eigenschaften auf:

Das Märchen weiß Rat auf viele Lebensfragen

Das Märchen weist auf den Menschen hin. Es kennt den Menschen mit seinen Schwächen und Stärken. Es ist voll geheimnisvoller Weisheit.

Das Märchen wirkt ermutigend und sinnstiftend. Es leugnet nicht die Schwierigkeiten des Lebens. Es zeigt jedoch Wege aus der Gefahr und Verstrickung, zum Gelingen des Lebens.

Das Märchen gibt Orientierungshilfen.

Das Märchen hilft bei der Angstbewältigung.

Das Märchen entwickelt bei Kindern eine eigene Bilder und Phantasiewelt. Es schafft ein Fundament zu Entdeckerfreude und zu schöpferischen Tun.

Die Märchen regen zum: Malen, Spielen, Nacherzählen an. Sie sind ein wichtiger Ausgleich zu den Medien unserer Zeit.

Die Kinder lernen durch die starke schwarz-weiß Darstellung von guten und bösen Figuren die Unterscheidungsfähigkeit. Sie erleben die guten und bösen Anteile der Figuren auch als Anteile ihrer selbst.

Bei der Ablösung vom Elternhaus leistet das Märchen ebenfalls eine vorzügliche Hilfe.
(vgl. Praxisbuch Märchen, Linde Koch, Gütersloher Verlag, Seite 44, 46)

Achten Sie auf eine weitgehend wortgetreue Erzählung der Märchen, das gibt Sicherheit und spricht das Unbewusste am direktesten an. Dennoch, der Spass am Erzählen sollte im Vordergrund bleiben und bei ein wenig Abänderung bricht die Welt nicht zusammen Die Kinder lieben Worte und Sprüche, die ihr Verstand noch nicht ganz erfassen kann; es fördert die Vorstellungskraft.

Kinder lieben die UNHEIMLICHE LUST vor der Angst. Ein gewisses Kribbeln, ein bisschen Gänsehaut...in einer vertrauensvollen, sicheren Umgebung; Angst ist nicht unbedingt etwas, was vermieden werden muß. Kinder wollen sie in einem gesicherten Rahmen, in einem Kontext selbst geschaffener und selbst bestimmter Regeln und Rituale erleben. (vgl. Erzähl mir die Welt, Claudia Seidl, Veritas Verlag, Seite 54) Märchen sind besonders geeignet, diese Angstlust zu befriedigen.

SIND MÄRCHEN FÜR KINDER GEEIGNET?

Das Märchen in seiner Vielfalt spricht stark den Gefühlsbereich an. Das Märchen lässt das Böse nicht gewinnen. Es zeigt verschiedene Varianten auf, wie es besiegt werden kann. ( vgl. Christina M. Rupp, Märchen wirken Wunder, Pattloch Verlag, Seite127)

In der Realität sind Kränkungen, Grausamkeiten und Gewalt allgegenwärtig. Der Gerechtigkeitssinn wird im Märchen zufriedengestellt.

Ängste treten im Leben immer wieder auf, ganz gleich ob Existenzangst, Angst zu versagen, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor dem Alleine sein, Angst aus Ungehorsam oder Scham, Angst vor dem Kindergarten, vor der Schule..........

Die Märchen helfen den Kindern bei der Angstbewältigung. Es wird oft gesagt, Märchen machen Angst. Es ist jedoch bewiesen, dass Kinder, denen aus diesem Grund keine Märchen erzählt wurden, sich verstärkt Mutproben aussetzten.

Angst kann nur bewältigt werden, indem sie durchlebt wird. Die Märchen sparen Versagen, Ungehorsam und Gefahr für die HeldInnen nicht aus. Sie geben ihnen jedoch die Gewissheit, dass sie Hilfe in der Not erfahren und dass alles wieder gut wird, wenn sie sich mutig und geduldig den Aufgaben stellen.

Zur Angstbewältigung hilft die Identifikation mit den MärchenheldInnen. Sie müssen schwierige Aufgaben lösen, versagen oft dabei, aber am Ende kommen sie doch an ihr Ziel.

Der böse Wolf symbolisiert die Personifizierung des Negativen, des Bösen, des Dunklen und in weiterer Folge die Angst. Der Wolf lungert in den Wäldern herum und symbolisiert weiters den dunklen, nicht-integrierten Aspekt des Bewußtseins und der Versuchung, vom rechten Pfad im Leben abzuweichen. Er steht für die unsozialen Tendenzen in uns. Im Märchen wird der Wolf immer besiegt und das gibt Mut. Als verschütteter Inhalt steht der Wolf für das Wilde - die Natur - gegen die Zivilisation stehende. Denn die Wildnis wurde mit Angst, der Dunkelheit und dem Bösen gleichgesetzt. Kein Wunder also, dass wir uns von der Natur so weit entfernt haben. Die Natur, das Triebhafte gilt es zu besiegen und letztendlich verlieren wir uns dadurch immer mehr.

WELCHE MÄRCHEN FÜR WELCHE ALTERSSTUFE?

Ab dem vierten Lebensjahr beginnt das Märchenalter. Natürlich ist nicht nur das Alter entscheidend, sondern auch der seelische Reifegrad des Kindes. Generell ist zu sagen, dass es kein Märchen gibt, welches Kinder nicht hören dürfen. Für die Wahl des Märchens sollte jedoch der richtige Zeitpunkt und die richtige Zeitdauer beachtet werden. Altersgrenzen sind fließend, deswegen sind Altersbegrenzungsangaben Hilfestellungen und keine starr einzuhaltende Instrumentarien. Auch der Beginn des Märchenalters variiert von Märchenexpertin zu Märchenexpertin. Bei manchen beginnt es ab dem dritten Lebensjahr (Vormärchenalter) und bei anderen ab dem vierten Lebensjahr. Fassen Sie also Altersangaben als nicht zwingend auf, sondern als Anregung. Im individuellen Fall muss oft anders entschieden werden.

Für die Kindergartenjahre gelten: Mit dem Einfachsten beginnen, oft wiederholen und dann zu Anspruchsvollerem übergehen. Für die Kleinsten ist das Märchen - Der süße Brei, sehr zu empfehlen. Es ist kurz, hat nur einen Handlungsstrang, hat wenige Personen und macht Mut. ( vgl. Linde Koch, Praxisbuch Märchen, Gütersloher Verlagshaus, Seite 30)

Kleine Auswahl - der Gebrüder Grimm Märchen:
im Vormärchenalter, bis ca. 3tes Jahr / 3 ein halb Jahre:
Kleine Reime, einfache Fingerspiele, Märchenlieder, kleine Geschichten aus dem Alltag und Tiergeschichten.

von 4 - 6 Jahren:
Die Sterntaler, Der Wolf und die sieben Geißlein, Rotkäppchen, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Frau Holle, Die Bremer Stadtmusikanten, Froschkönig, Dornröschen, Aschenputtel, Die Bienenkönigin, Der goldene Schlüssel, Läuschen und Fluchen, Die Bienenkönigin, Die drei Federn.

von 6 - 8 Jahren:
Hans im Glück, Rapunzel, Die Gänsemagd, Hans, mein Igel, Die ergänzten Schuhe, Die drei Männlein im Walde, Einäuglein-Zweiäuglein-Dreiäuglein, Der Stiefel von Büffelleder, Die weiße Schlange.

von 8 - 10 Jahren:
Der Eisenhans, Der treue Johannes, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Das Meerhäschen, Fundevogel, Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet, Die zertanzten Schuhe, Kunstmärchen zum Selberlesen.

ab 10 Jahren und Jugendliche:
Das singende, springende Löweneckerchen, Jorinde und Joringel, Der Trommler, Der Gevatter Tod, Die sechs Schwäne, Die Goldkinder.

Aber auch bei Erwachsenen, älteren Menschen und kranken Erwachsenen, Menschen, welche im Sterben begleitet werden, spricht ein Märchen die Seele und das Herz an. Die Deutung des Märchens spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Es gibt deren viele. Allein das Märchen zu hören genügt und das Unbewußte nimmt die verborgenen Inhalte auf.

Märchen für Erwachsene:

Märchen aller Kulturen, Schöpfungsmythen, ätiologische Märchen, aber auch Gebrüder Grimm Märchen.

GENDER ASPEKT IM MÄRCHEN:

Heide Göttner-Abendroth ist eine wichtige Vertreterin der Theorie, dass die matriarchalen Märcheninhalte und Motive von patriarchalen und religiösen Motiven überlagert und zerstört wurden. Die weise Frau wurde zur bösen Hexe. Die große dreigestaltige Göttin wurde zu einer verarmten und verkümmerten Gestalt. Für mich war die Erkenntnis, dass wir Frauen eine jahrtausendealte Geschichte haben, welche von patriarchalen Strukturen zerstört und verleugnet wurden und werden - ein Meilenstein für meine Entwicklung.

MÄRCHEN ALS RITUAL UND HILFSMITTEL IN KRISENSITUATIONEN:

Märchen sind besondere Geschichten, es sind wundersame - eben märchenhafte Wendungen möglich. Nach Verena Kast sind diese märchenhafte Wendungen zum Guten, diese unverhofften Lösungen - SCHÖPFERISCHE LÖSUNGEN. Indem wir uns mit dem Märchenhelden identifizieren, überträgt sich diese Hoffnung, dass Probleme lösbar sind, eben diese schöpferischen Lösungen, auch auf uns. ( vgl. Verena Kast, Märchen als Therapie, Patmos Paper Back, Seite 9 )

Damit vermittelt das Märchen jenen Mut zur Zukunft, den wir brauchen, um nicht am Vergangenen zu kleben. ( zit. Verena Kast, Märchen als Therapie, Patmos Paper Back, Seite 9 ) Deswegen sind Märchen für die Trauerverarbeitung so hilfreich, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Märchen gibt auch Hilfestellung bei Trotz und Rückzug, Verlust der Geborgenheit, Ablehnung und Ungeliebtsein, Neid und Eifersucht, Täuschungen, Selbstständigkeitsunterstützung, Unterdrückung, Leidensdruck, Altersunterschiede, Geschwisterliche Verbundenheit, Stress, Gleichgültigkeit, Belastungen, Abgeschiedenheit und Eigenaktivität, Krankheit, Schmerzen, Ängste, Depressive Zustände, Ängste, Mutmacher, usw.

Rituale sind sich wiederholende, symbolische Handlungen. Sie können, wenn sie nicht zwanghaft und starr ausgeübt werden, Sinn stiften, Trost spenden, Gemeinschaft vermitteln, Orientierung, Sicherheit, Geborgenheit und Identität geben. ( vgl. Rainbows Handbuch für Gruppenleiter/innen, Seite 46)

Alles sollte seine Zeit haben, Essen, Toben, Erzählen, Schlafen..., dies erleichtert dem Kind, sich im Alltag zurechtzufinden. Große Kinder brauchen mehr Seelennahrung und freuen sich über die bekannten Märchen. Kleineren Kindern erleichtern Märchen über Mond und Sterne, dass sie ruhig in die Traumwelt gelangen. ( vgl. Christina M. Rupp, Märchen wirken Wunder, Pattloch Verlag, Seite 136) Gerade das zu Bett gehen ist oft ein Geduldspiel für die Erwachsenen. Eine konstante "zu Bett geh Zeit" und ein Märchen, ist eine große Motivation für Kinder, um ohne Stress in die Welt der Träume einzutauchen.

Rituale schaffen Vertrautheit zwischen Kind und Eltern und in den Mittelpunkt kann ein Märchen gestellt werden. Da die meisten Märchen bekannt sind, stellt sich beim Zuhören Geborgenheit ein, und war der Tag nicht so gelungen, schenkt es Trost und Versöhnung mit der Welt. ( zit. Christina M. Rupp, Märchen wirken Wunder, Pattloch Verlag, Seite 137)

Der Inhalt des Märchens muss Kindern nicht erklärt werden, denn das Unbewußte nimmt den Symbolgehalt automatisch auf. Kinder hören sich das gleiche Märchen gerne immer wieder an, denn die Seele entdeckt immer wieder Neues. Das Wiederholen gibt auch Sicherheit. Wenn der Erzähler auch nur einwenig von der bekannten Schilderung abweicht, wird er vom Kind sofort korrigiert werden.

Ein Märchen sollte deswegen über einen längeren Zeitraum immer wieder erzählt werden.

In Märchen spielt Zeit keine Rolle, 100 Jahre vergehen wie im Flug. Mit den Zauberformeln ES WAR EINMAL, oder ALS DAS WÜNSCHEN NOCH GEHOLFEN HAT, überschreitet der Hörer das Tor in eine andere Welt und betritt unbewußte Pfade.

LITERATURLISTE: FÜR KINDER

BRIGITTE SPANGENBERG, Hans vertreibt die bösen Geister, Kreuz Verlag
CORNELIA NITSCH, Kindern helfen mit Märchen, Mosaik Verlag
ANGELINE BAUER, Von Trennung, Scheidung und Tod. Märchen zum Gelingen des Lebens, Gütersloher Verlag
GERLINDE ORTNER, Märchen, die Kindern helfen, Orac Verlag


FÜR ERWACHSENE

TAMAS KÜRTHY, Dornröschens zweites Erwachen, Campe Verlag
CHARLOTTE OBERFELD, Märchen in der Dritten Welt, Sammelband, Erich Röth Verlag
INGRID RIEDEL, Tabu im Märchen, Walter Verlag
HEINO GEHRTS, Schamanentum und Zaubermärchen, Sammelband, Erich Röth Verlag
LINDE KOCH, Praxisbuch Märchen, Gütersloher Verlag
MAX LÜTHI, Das Volksmärchen als Dichtung, Diederichs Verlag
URSULA HEINDRICHS, Märchen und Schöpfung, Sammelband, Erich Röth Verlag
ELSA HILTY, Rotkäppchens Schwester, Zytlogge Verlag
CARL-HEINZ MALLETT, Das Eichhorn bin ich, dtv-Verlag
KURT DERUNGS, Struktur des Zaubermärchens 1, Haupt Verlag
CHRISTINA M. RUPP, Märchen wirken Wunder, Pattloch Verlag
HEIDE GÖTTNER ABENDROTH, Die Göttin und ihr Heros, usw.
SIGRID FRÜH, Schwarze Madonna im Märchen; Neuauflage: Die schwarze Frau;
BARBARA STAMER, Märchen von Mutter Erde, Königsfurth Verlag
MAX LÜTHI, Märchen, Metzler Verlag
VERENA KAST, Märchen als Therapie, Patmos Verlag
VIVI EDSTRÖM, Astrid Lindgren und die Macht des Märchens, Oetinger Verlag
BRUNO BETTELHEIM, Kinder brauchen Märchen, dtv-Verlag
C.G.JUNG, Der Mensch und seine Symbole, Walter Verlag
C.G.JUNG, Archetypen, dtv-Verlag
VERENA KAST, Die Dynamik der Symbole, dtv-Verlag
HETMANN, Märchen und Märchendeutung, Königs Furt Verlag
CLARISSA PINKOLA ESTES, Die Wolfsfrau, Heyne Verlag
IRENE-MARIA SEIMANN, Schamanismus, Märchen und der Tod; Akademiker Verlag


      

DER SÜSSE BREI

ES WAR EINMAL EIN ARMES FROMMES MÄDCHEN, DAS LEBTE MIT SEINER MUTTER ALLEIN, UND SIE HATTEN NICHTS MEHR ZU ESSEN.

DA GING DAS KIND HINAUS IN DEN WALD, UND BEGEGNETE IHM DA EINE ALTE FRAU, DIE WUSSTE SEINEN JAMMER SCHON UND SCHENKTE IHM EIN TÖPFCHEN, ZU DEM SOLLT ES SAGEN:" TÖPFCHEN, KOCHE", SO KOCHTE ES GUTEN, SÜSSEN HIRSEBREI, UND WENN ES SAGTE:" TÖPFCHEN STEH", SO HÖRTE ES WIEDER AUF ZU KOCHEN.

DAS MÄDCHEN BRACHTE DEN TOPF SEINER MUTTER HEIM, UND NUN WAREN SIE IHRER ARMUT UND IHRES HUNGERS LEDIG UND ASSEN SÜSSEN BREI; SOOFT SIE WOLLTEN.

AUF EINE ZEIT WAR DAS MÄDCHEN AUSGEGANGEN, DA SPRACH DIE MUTTER:" TÖPFCHEN KOCHE", DA KOCHT ES, UND SIE ISST SICH SATT; NUN WILL SIE, DAS DASS TÖPFCHEN WIEDER AUFHÖREN SOLL, ABER SIE WEISS DAS WORT NICHT. ALSO KOCHT ES FORT; UND DER BREI STEIGT ÜBER DEN RAND HINAUS UND KOCHT IMMERZU, DIE KÜCHE UND DAS GANZE HAUS VOLL, UND DAS ZWEITE HAUS UND DANN DIE STRASSE, ALS WOLLTS DIE GANZE WELT SATT MACHEN, UND IST DIE GRÖSSTE NOT, UND KEIN MENSCH WEISS SICH DA ZU HELFEN.

ENDLICH, WIE NUR NOCH EIN EINZIGES HAUS ÜBRIG IST, DA KOMMT DAS KIND HEIM UND SPRICHT NUR:" TÖPFCHEN STEH", DA STEHT ES UND HÖRT AUF ZU KOCHEN; UND WER WIEDER IN DIE STADT WOLLTE, DER MUSSTE SICH DURCHESSEN. (Märchen aufgeschrieben durch Gebrüder Grimm)

MÄRCHEN ALS KREATIVES ELEMENT

Aus dem großen Geschichtentopf der Menschheit, Nahrung für einen dunklen Abend holen.
( aus, Antje Uffmann, Tränen-Wasser-Feuer-Herz, Kreuz Verlag)

LESEN SIE EIN MÄRCHEN!

Früher hatte man in der dunklen Jahreszeit zwangsläufig einen anderen Lebensrythmus. Viele Menschen hatten nicht die Möglichkeit, Kerzen oder Öllampen zu benutzen, sie saßen im Dunklen vor der Glut eines kleinen Feuers im Kamin.

Es ist sicherlich nicht sinnvoll, diese Zeiten zu romantisieren. Wir können aber die Fähigkeiten, die damals mit dem Erleben von Dunkelheit in den Menschen entstanden sind, einmal näher betrachten.

Es wurden Geschichten erzählt.

Es war in der Dunkelheit und Stille möglich, einzutauchen in das große Menschheitsgedächnis und den dunklen Pfaden der Seele zu folgen.

Gelernt wurde dabei, wie es möglich ist, Dunkelheit auszuhalten, sich mit ihr zu verbünden, auf ihren Schwingen zu reisen und Schätze aus diesem inneren Reich ins Licht des Bewusstseins zu heben.

Nehmen Sie heute Kontakt auf mit dieser Qualität. Machen Sie es sich schön dunkel und lesen Sie bei Kerzenschein ein Märchen vor - anderen oder sich selbst.

SCHREIBEN SIE IHR EIGENES MÄRCHEN!

Schreiben Sie ein Märchen über sich selbst.

Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, aber vergessen Sie nicht, dass es am Ende immer gut ausgeht. Gestalten Sie Ihre eigene Heldenreise. Lassen Sie sich von guten Geistern und anderen Wesen helfen. Lassen Sie einer Einweihung, einer Prüfung in die Dunkelheit des Lebens zu und nützen Sie Ihre persönlichen Fähigkeiten, um an das Licht, um an den Schatz Ihres Lebens zu kommen.
     Lassen Sie sich überraschen!

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